Das Cannondale Slate Force CX1 im Test 

April 22, 2016
Das Cannondale Slate Force CX1 im Test

In den letzten Jahren haben sich einige Hersteller an dem neuen Konzept eines Offroad-tauglichen Rennrads, dem sogenannten Gravel Bike, versucht, doch keine Bike-Schmiede verdrehte uns damit so den Kopf wie Cannondale mit seinem Slate. Schon auf der Eurobike 2015 ist uns das schlanke Bike mit MTB-Charakter aufgefallen, doch jetzt haben unsere Kollegen von Cycling Tips die Zeit gefunden, dass Cannondale Slate Force CX1 ausführlich zu testen.

Wer mit Cannondale vertraut ist weiß um die Vorlieben der Amerikaner, gewohnte Konzepte auf den Prüfstand zu stellen und mal etwas komplett Neues zu entwickeln. Mit dem Bad Boy ist das im Jahr 1999 mehr als gelungen – das Bike wurde als Trainingsgerät für das MTB Racing Team konzipiert und vermischte Fitnessbike mit urbanem Look. Das Bad Boy wurde zum Vorreiter des modernen Urban Bikes, dass auch noch heute oftmals auf Flat Bar Lenker und Scheibenbremsen setzt.

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Cannondale Slate - Das neue "New Road Bike"

Was uns zu dem neuen Cannondale Slate bringt, ein Bike, das ebenfalls nicht einfach in eine Kategorie geschmissen werden möchte. Für viele mag das Slate nur ein Marketing-Gag sein, andere wiederum werden sich fragen, warum sich Cannondale erst im Jahr 2014 die Mühe gemacht hat, dass Synapse abseits der befestigten Straße stabiler zu machen. Laut Hersteller soll das Slate allerdings kein weiterer Eintrag in die Gravel Bike Sparte werden, sondern ein ganz anderes, neuartiges Konzept, welches firmenintern in die Kategorie New Road einsortiert wurde.

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Wenn man aber davon ausgeht, dass das Bad Boy das Mountainbike in das urbane Biken gebracht hat, ist es ein leichtes zu sagen, dass das Slate dasselbe tut – nur eben für das Rennrad. Die Eurobike-Award-Jury bezeichnete das Bike als „Verbindung zweier Welten, die sonst nicht viel miteinander zu tun haben“ und als Ergebnis sich an „eine größere Zielgruppe Radfahrer wendet“. Das Cannondale Marketing bezeichnet das Bike dagegen schlichtweg als das „Schweizer Taschenmesser unter den Rennrädern“.

Features, Highlights & Details

Erstmal zu den Modellen. Das Slate startet in Deutschland mit Shimano 105 für 2.999€, danach folgt das Slate Ultegra für 3.499€ und schließlich das getestete Top-Modell, Force CX1, für 3.999€. Jedes Modell wurde mit hydraulischen Scheibenbremsen sowie 11er Kassetten ausgestattet, nur das Force CX1 bietet allerdings den 1X-Antrieb.

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Der Hingucker beim Slate ist natürlich die „Mini-Lefty“ namens Oliver, die mit 30 Millimetern Federweg, variablem Rebound und Lockout-Funktion einer MTB-Federgabel in nichts nachsteht. Die Luftfederung ermöglicht auch die Anpassung an das Fahrergewicht. Der SmartFormed-Rahmen setzt auf das 6069-Aluminium, das Cannondale für das CAAD10 entwickelt hat. Das Rahmenmaterial spart Gewicht (beim CAAD10 konnte es 200 Gramm einsparen) und verbessert die Widerstandsfähigkeit und Steifigkeit des Rahmens. Die Geometrie des Slate geht eher in die Länge und Höhe, das heißt mit zunehmender Größe wächst die Länge des Oberrohrs und des Steuerrohrs, während die Kettenstreben-Länge gleich bleibt.

Auffällig sind auch die kleineren Räder am neuen Cannodale Slate. Das Force CX1 kommt nämlich nicht auf 700c Laufrädern daher, sondern auf der MTB-Größe 650b. Der Grund dafür ist aber so simpel wie nachvollziehbar: Die 42mm breiten Reifen bringen den Durchmesser der Räder auf denselben wie bei der traditionellen 700c – 22mm Kombination.

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Die Specs unseres Testbikes in der Übersicht

  • 6069 Alloy SmartFormed Rahmen
  • Lefty „Oliver“ mit 30 mm Federweg, Lockout, einstellbarer Rebound
  • SRAM Force CX1
  • Hydraulische Scheibenbremsen
  • HollowGram Si Kettenblattgarnitur mit 44T Kettenblatt
  • 10-42 Kassette
  • Panaracer Tubeless Ready (650b x 42mm)
  • Gesamtgewicht ohne Pedale: 9,2 Kilogramm

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Das Cannondale Slate im Praxis-Test

Dass das Slate das Beste aus MTB und Rennrad vereinen soll, stellte uns beim Testen vor ein Dilemma. Soll man das „New Road Bike“ jetzt was die Performance angeht als normales Rennrad betrachten oder doch eher als Mountainbike? Was ist mit der Einstellung von Suspension und Reifendruck? Wir haben uns das Slate erstmal als Road Bike zurechtgemacht, mit einem hohen Reifendruck von knapp über 3 Bar aufgepumpt und uns die Road-Schuhe angezogen. Los geht’s!

Schon nach den ersten Kilometern wurde klar, dass das Slate als reines Road Bike nicht so gut taugt. Die breiten Reifen fühlten sich auf der Straße leicht schwammig an und machten das Bike relativ langsam auf der Abfahrt. Auch das zusätzliche Gewicht machte sich gleich bemerkbar und sorgte für ein indirekteres Fahrgefühl verglichen mit einem reinrassigen Rennrad. Die Wahl der Laufradgröße entpuppte sich jedoch als goldrichtig für das Cannondale Slate – Gewichtsverteilung und Schwerpunkt waren ideal. Die SRAM Force CX1 machte auf der Straße eine gute Figur – vor allem die kleineren Gänge passten gut zu dem etwas höheren Rollwiderstand der Reifen.

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Abseits der befestigten Straße zeigte das Slate uns dann, aus welchem Holz es geschnitzt ist. Die Reifen sorgten auf Feldwegen für exzellenten Grip und hohen Fahrkomfort. Mit einem hohen Reifendruck kommen aber auch sie etwas schneller an ihre Grenzen, weswegen es sich bei längeren Offroad-Ausflügen lohnt, etwas Druck abzulassen. Die Möglichkeit auf Tubeless umzurüsten ist ebenfalls gegeben. Auch die Geometrie passt besser zu Eskapaden abseits des glatten Asphalts. Das etwas behäbige Handling passt gut zu der agilen Rahmenform und versprüht Sicherheit auch auf härtesten Pflasterpassagen.

Der 1X-Antrieb tobte sich auf Feldwegen so richtig aus und konnte sich durch seinen einfachen Aufbau auszeichnen. Der robuste SRAM DoubleTap Mechanismus vermittelte unmittelbares Feedback beim Schalten. Das Slate wurde dann zu einem starken Kletterer, der vor allem bei Kompressionen guten Vortrieb gewährleistete. Rahmen und Gabel waren steif genug, um die gesamte Kraft direkt an die Räder weiterzugeben. Die Scheibenbremsen zogen dann bei Abfahrten kräftig an, nur konnte man sich aufgrund des Rennlenkers nicht zu sehr nach hinten lehnen, um das Gewicht auf ruppigen Abfahrten optimal zu verteilen. Auf richtig derben Terrain, wie z.B. zersplitterte Sandsteine oder Geröllpassagen, musste die Lefty Oliver sich schließlich geschlagen geben.

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Trotzdem war es erstaunlich, wie ergiebig sich vor allem das Heck des Cannondale Slate zeigte. Die 27,2 Millimeter Sattelstütze flexte ganz ordentlich und auch der Fabric Sattel zeigte seine komfortable Seite. Zusammen mit den federnden reifen und der soliden Dämpferleistung vorn ergab dies ein stimmiges Gesamtbild.

Fazit

Cannondale versprach mit dem Slate eine Allzweckwaffe für die Straße und das Gelände. Und genau das ist das Slate auch geworden. Zwar wird es auf der Straße keine Geschwindigkeitsrekorde aufstellen oder sich auf Cross-Country-Strecken messen können, doch das gesteckte Ziel hat der US-Hersteller erfüllt; ein Road Bike, dass sich auch abseits der Straße ohne Komfort-Einbußen optimal fahren lässt. Ob man es einem Cyclocross Bike vorzieht, bleibt allerdings den persönlichen Vorlieben überlassen.

Mehr Bilder vom Cannondale Slate Force CX1 2016

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