Erfahrungsbericht: Das Specialized Turbo Levo FSR 

Juli 26, 2016
Erfahrungsbericht: Das Specialized Turbo Levo FSR

E-Mountainbikes. Für einige Mountainbiker die Apokalypse auf zwei Rädern, für die meisten zumindest ein gerne diskutiertes Thema, dass häufig auch mal ausarten kann. E-MTBs zerstören die Trails, beschädigen den Boden, haben nichts mit der Schönheit des Mountainbike-Sports zu tun und so weiter. Kurzum: Das Mountainbike mit Elektromotor hat einen schweren Stand in der Szene. Wir fragen, warum eigentlich? Ok, an manchen der Argumente ist etwas dran, vor allem was den Streitpunkt motorisiertes Fahrzeug auf Waldwegen angeht, aber als wir das neue Specialized Levo FSR bei den letzten Demo Days antesten durften, hatten wir einfach nur eine Menge Spaß.

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Das Specialized Levo FSR im Detail

Es ist eigentlich typisch Specialized, dass die Amerikaner für ihre E-Bikes kein fertiges Komplettpaket für den Antrieb nutzen. Also von wegen Shimano Steps oder Bosch Performance Line – Specialized entwickelte ein eigenes, proprietäres System mit getuntem Motor, der auch schon beim E-Urban Bike Turbo zum Einsatz kam. Jetzt darf sich der Antrieb auch im Gelände beweisen.

Das Specialized Levo FSR basiert auf der selben Plattform wie das Stumpjumper, Rhyme und Camber und ist wie gemacht für den Trail-Einsatz. Der Aluminiumrahmen setzt vorne auf 140 mm Federweg und hinten auf 135 mm. Die Geometrie stammt unverwechselbar von seinen nicht-elektrisierten Geschwistern.

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Das Tretlager des Turbo Levo wurde geschmeidig im Rahmen untergebracht, zusammen mit dem intelligenten Motor, der beispielsweise das Drehmoment und die Trittfrequenz des Fahrers erkennt und seine Leistung diesen Werten anpasst. Mit einer speziellen Specialized App kann via Smartphone und Bluetooth auf den Motor zugegriffen werden.

Der 3 Kilo schwere Lithium-Ionen-Akku wurde im Unterrohr des Rahmens untergebracht, und ist somit auch bei schwersten Trailbedingungen vor jeglichen Beschädigungen geschützt. Das Herausnehmen funktioniert ganz leicht und ermöglicht das Laden des Akkus auch ohne Bike.

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Der Akku ist massiv und damit äußerst widerstandsfähig.

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Batterie und Motor wurden beim Turbo Levo bestens versteckt und sorgen für einen tiefen Schwerpunkt. Das Gewicht wurde so gering wie möglich gehalten, um das Handling nicht zu stark zu beeinflussen.

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Ein cleveres Detail: Der Einschalter sitzt zusammen mit der Modus-Auswahl und einer Batterie-Anzeige an der Seite des Unterrohrs. So stört es praktisch gar nicht und ist trotzdem leicht zugänglich.


Wenn man mal von dem ganzen Elektro-Kram absieht, ist das Specialized Levo FSR eigentlich ein ganz normales Mountainbike, das halt schlappe 22 Kilogramm wiegt. Laufräder, Reifen, Federkomponenten, das Cockpit, die Bremsen und das Schaltwerk sind identisch mit den Trail Bikes von Specialized oder anderen Herstellern.

Erster Eindruck vom Specialized Turbo Levo FSR

Es war leicht surreal, unsere ersten Fahrten mit dem Levo. Denn eigentlich fährt sich das E-Mountainbike wie ein echtes MTB. Bergab war wirklich kaum ein Unterschied zu merken, während im Uphill die Tretunterstützung die meiste Arbeit verrichtete. Man muss sich zwar schon daran gewöhnen, nicht mehr selbst die volle Kontrolle über den Antrieb zu haben und eben auch den Motor mal Motor sein lassen, aber das sollte ja sowieso jedem klar sein. Die zusätzlichen PS helfen dir dabei, den schweren Antrieb und die Batterie zu bewegen und daran muss man sich erst einmal gewöhnen. Wer es versucht, das E-Bike mit purer Kraft in den schwersten Gängen nach vorne zu wuchten, wird schnell Probleme kriegen. Eine hohe Trittfrequenz unterstützt durch den Motor ist dagegen der richtige Ansatz und macht bergab wie bergauf richtig Freude.

Wenn man am Berg aus dem Sattel herausgeht und versucht, Hindernisse mit angehobenem Hinterrad zu bewältigen, hat man definitiv mehr zu tun als wenn man sich einfach zurücklehnt und den Motor gepaart mit dem traktionsfreudigen Reifen einfach machen lässt. Dabei verunstaltet das konstant angetriebene Hinterrad den Trail nicht mehr als ein normales MTB, sagt Specialized. Im Gegenteil: Der Hersteller fand heraus, dass Cross-Country-Biker auf dünneren Reifen mehr Schaden verursachen als das Turbo Levo FSR.

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Als wir am Gipfel ankamen, war der Motor eigentlich überflüssig. Die Abfahrt mit dem Levo machte richtig Spaß und vermittelte ein hohes Vertrauen in das Bike. Das zusätzliche Gewicht von Motor und Batterie macht sich natürlich bemerkbar und üben mehr Druck auf Federung und Reifen aus, sodass das E-Mountainbike nicht so agil und reaktionsfreudig daherkommt wie ein 13 Kilo-Trail-MTB. Bei schnellen und engen Kurven kann das schon mal nerven, aber alles in allem fährt sich das Specialized Leo um einiges leichter, als das Gewicht beim Hochheben vermuten lässt.

Ein extrem nützliches Feature für den Downhill: Die Specialized Command Post Sattelstütze, die auf Knopfdruck einfährt und deinem Körper genug Spielraum bei technischen anspruchsvollen Stellen verschafft. Einmal eingefahren braucht man sich auch keine Sorgen um ausreichend Schwung für die nächste Abfahrt zu machen – der Motor hilft dir dabei.

Die Akkulaufzeit ist ordentlich. Nach zwei Stunden im Turbo-Modus war noch ca. ein halber Akku übrig. Die Reichweite kann aber mit der Wahl eines weniger leistungsstarken Unterstützungsmodus noch deutlich erhöht werden. Die Specialized E-Bike App hilft einem dabei, die verbleibende Reichweite zu ermitteln und die Unterstützung so anzupassen, dass man auch noch mit genug Saft nach Hause kommt.

Mehr Reifen gefällig? – Das Turbo Levo FSR 6Fattie

Natürlich haben wir auch mal kurz das Levo 6Fattie mit seinen 3“ breiten Reifen auf eine kurze Tour entführt. Fazit: Gleicher Spaß, noch mehr Komfort. Die Purgatory/Ground Control Reifen übertragen nehmen gewohnt geduldig deine Lenkbewegungen auf und lassen einen angenehm über Unebenheiten hinwegschweben.

Fazit

Es geht wahrscheinlich vielen Mountainbikern so, die zum ersten Mal ein E-MTB getestet haben. Eigentlich ganz cool, Fahrspaß ist da, hoher Komfort, aber irgendwie fehlt diese Motivation, dieser Antrieb es aus eigener Kraft an die Spitze des Berges zu schaffen, und natürlich auch diese Befriedigung, endlich oben zu sein. Außerdem ist es bergab auch eben nicht ganz dasselbe, wenn man knapp 10 Kilo mehr unter sich hat. Aber das sind eben die Charakteristiken des E-Mountainbikes, und Specialized hat sich wirklich alle Mühe gegeben, das Turbo Levo FSR so nahe an ein normales Mountainbike anzulehnen wie nur möglich. Es ist klar, dass das Konzept aktuell noch viele MTB-Fans abschreckt (auch der Preis ist natürlich nicht ohne, vor allem beim Levo), doch der US-Hersteller zeigt, dass die Industrie auf dem richtigen Weg ist, um das E-Mountainbiken noch mehr Menschen nahezubringen, ohne dabei den Spaß am MTB-Sport zu vergessen. Und wenn wir doch irgendwann auf einen Berg stoßen, der mit purer Beinkraft nicht zu bewältigen ist, hilft uns das Specialized Levo FSR, auch diesen zu bezwingen.

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Steckbrief: E-Bike

Der E-Bike-Markt befindet sich in einem rasanten Wachstum. Vor allem in Europa überschlagen sich die Zahlen, wo Statistiken zufolge 40% aller neu gekauften Fahrräder E-Bikes sind.

Es gibt verschiedene Arten des E-Bikes und einige Überschneidungen was die Bezeichnung angeht. Das populärste E-Bike ist das Pedelec, ein E-Bike, das dem Fahrer eine motorisierte Tretunterstützung liefert. Heißt: Hört der Fahrer auf zu treten, so stoppt auch der Motor. Die Motorleistung wird in Europa auf 250 Watt begrenzt, die maximal unterstützte Geschwindigkeit sind 25 km/h. Wer es schneller mag, ist voll auf sich und seine Beinkraft gestellt.


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