Profi-Triathlet Daniel Unger im Interview

März 11, 2015
Profi-Triathlet Daniel Unger im Interview

Endlich Frühling! Die Sonne macht sich so langsam wieder über den heimischen Gefilden breit und bietet all denen, die lieber draußen Sport machen, angenehm milde Temperaturen. Das heißt für Triathleten: Es kann wieder losgehen. Anlässlich des Saisonstarts haben wir uns mit dem Ex-Triathlon-Weltmeister Daniel Unger getroffen und uns mit ihm über seine Karriere, seinen Abstecher auf die Ironman-Distanz und sein aktuelles Projekt Sportfreund unterhalten. Außerdem konnten wir ihm wertvolle Tipps für Hobby-Triathleten entlocken.

BE: Hallo Daniel! Was war dein größter Moment als Triathlet?

Daniel: Weltmeister im eigenen Land, vor heimischen Publikum zu werden ist, denke ich, für jeden Sportler der größte sportliche Moment. Sicherlich ist durch die Teilnahme bei den Olympischen Spielen 2008 mein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen, aber die Goldmedaille bei der Heim-WM wird für mich immer unvergesslich bleiben.

Welchen Stellenwert hat dieser Moment für dich sowohl beruflich als auch privat?

Er hat sicherlich mein Leben verändert. Wäre ich nur Zweiter geworden, hätte die Strahlkraft deutlich weniger bewirkt. Ein Weltmeistertitel bringt viele Verpflichtungen mit sich, die sich positiv wie negativ auf den Berufsverlauf ausgewirkt haben. Aufmerksamkeit vieler Sponsoren, Präsenz in der Öffentlichkeit und eine gewiesse finanzielle Absicherung sind die guten Seiten daran. Allerdings bleibt bei all den öffentlichen Auftritten viel weniger Zeit zum Trainieren, was für mich als Profisportler ein limitierender Faktor war.

daniel unger

Du bist ja nun schon seit einigen Jahren Inhaber und Geschäftsführer des Sportgeschäfts Sportfreund in Ulm. War es für dich ein schwerer Weg vom Profisportler zum Geschäftsmann?

Jeder Profisportler kommt im Laufe seiner sportlichen Laufbahn zum Punkt, an dem er an die „Karriere nach er Karriere“ denken muss. Ich hatte das große Glück zu einem guten Zeitpunkt die Chance zu bekommen, meiner Leidenschaft Triathlon auch in der „freien Wirtschaft“ nachzugehen. Ein Geschäft zu führen ist ähnlich anstrengend wie Profisportler zu sein - die Belastung ist zwar nicht punktgenau wie im Sport messbar, aber unter dem Strich bin ich abends auch müde wie nach einem langen Trainingstag.

>> Sportfreund auf BikeExchange

Sportfreund ist ja mehr als nur ein Sportgeschäft. Die Sportfreund Academy bietet Dienstleistungen rund um das Thema Firmensport an. Wie kam es dazu und um was genau geht es dabei?

Hauptsächlich geht es in der der Sportfreund Academy um die sportliche Betreuung von Firmen, Vereinen aber auch Privatpersonen. Egal ob sie fitter werden oder sich gezielt auf einen Wettkampf vorbereiten wollen, wir möchten ihnen den Sport als Lebenseinstellung vermitteln und sie für Bewegung motivieren. Dies kann in Form von Impulsvorträgen in Firmen aber auch mit individuellen Trainingsprogrammen erfolgen.

Du veranstaltest auch regelmäßig Camps und Workshops rund um den Triathlon-Sport. Was macht dir am meisten Spaß bei der Arbeit mit den Sportlern und was ist dein wichtigster Tipp für angehende Triathleten?

Das Größte für einen Sportler ist es sein Wissen und Können weitergeben zu dürfen. Der Umgang mit Gleichgesinnten ermöglicht es mir weiterhin meiner Leidenschaft nachzugehen und mein Motto "We do it ´cause we love it" jedem Sportler bei all seinen Zielen verständlich zu machen.

Du hast dich 2013 zum ersten Mal an der Ironman-Distanz probiert. Was war die Motivation, diesen Schritt so relativ spät in deiner Karriere noch zu gehen?

Nach meinem Weltmeistertitel und der Teilnahme bei den Olympischen Spielen war es schwierig für mich, neue Motivation zu fassen. Ich brauchte eine neue Herausforderung, etwas was ich bislang noch nicht erreicht hatte. Ich muss sagen, es hatte mich schon immer ein bisschen gereizt auf die Langdistanz umzusteigen. Es ist einfach so, dass der Ironman der Mythos meiner Sportart ist. Nur wer einmal einen Ironman zu Ende gebracht hat, ist ein „richtiger" Triathlet.

daniel unger triathlon schwimmen

Was ist grundlegend anders beim Wechsel von der Kurzdistanz auf die Langdistanz, und wie hast du dich zurechtgefunden?

Größere Trainingsumfänge, mehr Ausdauer - dafür weniger intensiver und langsamer. Es ist eine völlig andere Sportart, obwohl es hier auch um Schwimmen, Radfahren und Laufen geht. Ich musste erst lernen, 1000 Schritte mehr aber dafür langsamer zu laufen. Auf der Langdistanz bist Du in der Vorbereitung und auch im Wettkampf ein Einzelkämpfer. Auf der Kurzdistanz ist das ein Rennen „Mann gegen Mann."

Wie groß sind die Unterschiede in der Vorbereitung? Hast du im Nachhinein festgestellt, dass du dich anders hättest vorbereiten müssen?

Größere Trainingsumfänge bedeutet nicht automatisch, dass der Trainingstag länger wird und das, obwohl sich die Distanzen in allen drei Disziplinen beinahe vervierfachen. Aber wenn die Intensität gedrosselt wird benötigt man einfach weniger Zeit für die Regeneration. Für die Vorbereitung auf die Kurzdistanz bin ich beispielsweise morgens und abends einen flotten 10er gelaufen, bei der Langdistanz musste ich dafür einen lockeren 25 km Dauerlauf absolvieren. Diese Umstellung muss jeder lernen, der den Wechsel auf die Langdistanz vollzieht.

Im vergangenen Jahr hast du erfolgreich an verschiedenen Wettkämpfen in Deutschland teilgenommen. Wie sieht dein Plan für dieses Jahr aus?

Ich möchte dieses Jahr noch einmal für den SSV Ulm in der Triathlon Landesliga an den Start gehen. Des Weiteren liegt der Schwerpunkt auf regionalen Wettkämpfen, die wir unter anderem auch mit dem Sportfreund veranstalten, sei es der Triathlon in Konstanz am 23. August oder der Einstein-Triathlon in Ulm.

daniel unger triathlet auf dem rad

Weltmeister, Olympia-Teilnehmer und Ironman - Gibt es für dich noch Herausforderungen, denen du dich bis zum Ende deiner Karriere noch stellen willst?

Ich habe in meinem Leben alle sportliche Ziele erreicht, die sich ein Sportler nur erträumen kann. Hawaii - das wäre eines Tages vielleicht eine Herausforderung, die ich als Agegrouper noch einmal annehme...

Wie stellst du dir deine berufliche Karriere nach dem Ende deiner Triathlon-Karriere vor?

Mit dem Sportfreund haben wir eine Plattform erschaffen, mit der meine Tage voll Aufgaben gefüllt sind! Ich bin nach wie vor am Puls des Triathlons und kann meine Erfahrung aus einem Vierteljahrhundert Triathlon an die Menschen weitergeben - was will man mehr?!

Danke Daniel für das Interview und weiterhin viel Erfolg.