Worauf du beim Fahrradtransport mit dem Flieger unbedingt achten solltest

Juni 16, 2016
Worauf du beim Fahrradtransport mit dem Flieger unbedingt achten solltest

Mit dem geliebten Fahrrad zu verreisen ist für viele eine nervenaufreibende Erfahrung. Vor allem dann, wenn man das teuer erstandene Bike erst vor kurzem angeschafft hat und jetzt endlich in der passenden Location ausfahren möchte. Denn bei all den Horrorgeschichten, die man im Internet über den Transport von wertvollem Sperrgepäck hört, kann einem Himmelangst werden. Kommt das Bike an einem Stück im Urlaubsort an? Und was ist eigentlich die beste Option für den Fahrradtransport – Soft Case, Hardshell oder doch Karton? Unsere Kollegen von Cycling Tips haben mit einem erfahrenen Flugzeugabfertiger und gleichzeitig leidenschaftlichem Radfahrer gesprochen und erfahren, wie man sein Fahrrad für die lange Reise fit macht und wie man das Risiko für eine Beschädigung während eines Fluges minimiert.

Zuständig für den sicheren Fahrradtransport: Die Gepäckabfertigung

Paul arbeitet nun schon mehr als 10 Jahre am Flughafen in Adelaide, Australien. Er beaufsichtigt das Beladen und Entladen vom Reisegepäck und Fracht für alle möglichen Flugzeugtypen. Die eine Frage, die ihm von so ziemlich jedem gestellt wird (natürlich auch von uns), ist für ihn keine Überraschung. Wie vorsichtig gehen Flugzeugabfertiger denn eigentlich mit dem Gepäck der Reisenden um?

„Ich weiß, dass mehrere YouTube Videos existieren, die zeigen, wie das Bodenpersonal das Gepäck einfach von der Brücke oder dem Personenwagen werfen, aber das ist definitiv die Ausnahme, das kann ich euch versichern. So jemand landet schnell im Personalbüro“, erzählt uns Paul.

„Wir arbeiten quasi in einem Aquarium – jeder kann sehen, wie wir unsere Arbeit machen. Meine Kollegen nehmen stets Rücksicht auf das Gepäck, das sie verladen.“

Dass es aber dennoch zu Schäden kommen kann, ist nicht auszuschließen. Eine Studie der amerikanischen Flugbehörde ermittelte, dass in etwa 0,05% der Fracht beschädigt wird. Paul ist sich aber sicher, dass diese Schäden bereits aufgetreten sind, bevor die Gepäckabfertigung das Gepäckstück überhaupt berührt hat.

„Das hängt vor allem mit den Beförderungsband-Systemen zusammen“, erklärt Paul. „Die sind meistens voll automatisiert und müssen eben kiloweise schweres Gepäck befördern. Das Equipment ist entsprechend kraftvoll und wenn das Gepäck dann eben auf verschiedene Rampen geleitet wird, geschieht das mit hohem Druck. So können bereits auf dem Fließband Schäden entstehen.“

Wenn du dein Fahrrad in der Transporttasche am Schalter für Sperrgepäck abgibst, landet es neben anderen sperrigen Sachen wie Kinderwagen, Gitarren oder Angeln und wird in der Regel erst als letztes in das Flugzeug geladen. Warum?

„Es ist einfacher für uns, die sperrigen Sachen dann einzuladen, wenn die ganzen einfach zu verstauenden Teile wie Koffer bereits im Flugzeug sind. Außerdem wird so das Risiko für Schäden verringert.“

Tipp 1: Nutze eine Softshell-Fahrradtasche für den Transport

Wer zum ersten Mal mit seinem Fahrrad ins Flugzeug steigt, steht vor der essentiellen Frage „welche Transportmöglichkeiten gibt es für mein Fahrrad, und welche ist die beste?“. Die drei Optionen: Hardshell-, Softshell-Koffer sowie ein einfacher Karton zum Fahrradtransport.



Eine Anekdote unseres Kollegen, der sich mal an der Papp-Variante versucht hat:

“Bei meiner Ankunft hat es richtig geschüttet. Mein Fahrrad saß im Karton draußen auf dem Asphalt. Bei der Ausgabe bekam ich mein Bike und Equipment Stück für Stück ausgehändigt, da sich der Karton im Regen quasi aufgelöst hat.“

Ok, das wäre ein Nachteil des Fahrradkartons. Auf der anderen Seite ist es mit Sicherheit die günstigste Option, die mit ausreichend Polsterung auch einen vernünftigen Schutz bieten kann. Die Softshell-Variante ist dagegen klar teurer in der Anschaffung, ist aber auch deutlich besser und sicherer wenn es darum geht, dein Fahrrad zu verstauen. Das Optimum an Schutz von außen bietet ein Hartschalenkoffer, auf Kosten eines deutlich höheren Gewichts und Preises.

Pro-Tipp: Wer trotz der Gefahr des Wasserschadens mit einem Fahrradkarton verreisen möchte, sollte sicherstellen, dass die freigeschnittenen Griffe des Kartons abgeklebt werden, da diese bei schwereren Boxen schnell aufreißen können.

Da Paul auch ein begeisterter Radfahrer ist und schon so einige Radreisen im Flieger begonnen hat, hat er eine klare Empfehlung: „Ich persönlich bin ein großer Fan der gepolsterten Softshell-Tasche. Ich nutze einen EVOC Bike Travel Bag, und auch einige meiner Kollegen schwören darauf. Ich finde ihn einfach brilliant.“

Einer der Gründe, warum Paul die Softshell-Variante den schwereren Hardshell-Cases vorzieht, dreht sich um die Beladung des Flugzeugs.

„Die 737 ist ein nicht-containerisiertes Flugzeug. Sprich: Es nutzt einen sogenannten Raupenlader, eine Maschine, die an Front und Heck des Flugzeugs angebracht wird. Die Gepäckstücke werden dann auf dem Förderband des Laders transportiert und manuell in das Flugzeug verladen. Softshell-Transporttaschen für Fahrräder bieten in der Regel mehr Traktion auf dem Band als die Hartschalenkoffer, sodass sie ohne Probleme die Strecke auf dem Band zurücklegen. Hardshell-Koffer aus Plastik rutschen häufig und können bei Nässe schon mal vom Band rutschen.“

Glücklicherweise haben Flughäfen Sicherheitsprozesse eingeführt, um das Abrutschen von Gepäck zu verhindern.

„Der Maschinenführer kann das Band jederzeit anhalten und den Kollegen am Boden anweisen, den Koffer wieder ordentlich auf dem Band zu positionieren. Trotzdem kann es passieren, dass ein Koffer mal auf dem Boden landet. Reisende denken, dass ein Hartschalenkoffer besonders sicher ist und stabil ist, aber die Wahrscheinlichkeit, dass er auf dem Weg zum Flugzeug beschädigt wird, ist um einiges höher als bei einem Softshell Case für den Fahrradtransport.“

Tipp 2: Stelle sicher, dass die empfindlichen Komponenten (Schaltwert etc.) ausreichend gepolstert sind

Obwohl die Polsterung der Softshell-Variante schon durchaus guten Schutz bietet, empfiehlt Paul noch weitere Sicherheitsmaßnahmen.

„Ich wickele zusätzlich noch Luftpolsterfolie um den Rahmen und schütze das Schaltwerk mit einem alten Handtuch. Nur um sicherzugehen.“

Tipp 3: Die Transporttasche deines Fahrrads nicht überladen.

Auch ganz wichtig: Nicht zu schwer packen. Paul erzählte uns: „Bei allen drei Transportmöglichkeiten haben wir schon Fällte gehabt, wo die Fluggäste wirklich all ihr Equipment in die Koffer oder Tasche gepackt haben und da mal schnell 30 Kilo zusammenkamen. Das macht solche Taschen natürlich extrem unhandlich und innerhalb des Flugzeugs wird es schwer, sie an die richtige Stelle zu manövrieren. Und je schwerer die Gepäckstücke werden, desto weniger tolerant und geduldig sind dann auch die Flugzeugabfertiger bei der Verladung des Gepäcks.

Tipp 4: Pedale, Lenkeraufsatz und weiteres Zubehör, dass aus dem Koffer ragen könnte, entfernen

Unabhängig von der Art des Koffers und des Gewichts ist eines besonders wichtig: Lass nichts aus der Tasche herausragen.

„Wir haben schon viele Triathleten gehabt, bei denen der Triathlonlenker noch am Bike war und aus der Tasche geschaut hat. Etwas Luftpolsterfolie war noch drüber. Ich meine, ich will nicht sagen, dass das Bike so garantiert beschädigt wird, aber die Chance ist im Vergleich um einiges größer.“

Paul bezieht sich hier vor allem auf die Möglichkeit, dass der Koffer beim Beladevorgang an dem hervorstehenden Lenker hängen bleibt. Ähnliche Probleme gibt es auch mit nicht abmontierten Pedalen.

„Wenn Fluggäste einen Fahrradkarton zum Transport verwenden, stechen Pedale durch die Pappe und hängen heraus. So kann es passieren, dass sich der gesamte Karton dann irgendwo am Förderband-System verhakt, oder beim Verladen im Flugzeug hängen bleibt und so beschädigt wird. Deswegen sind auch schon häufiger Gepäckstücke vom Förderband gefallen.“

Tipp 5: Lass keine frei beweglichen Zubehörteile in der Tasche, die den Rahmen zerkratzen können.

Der letzte Tipp ist eigentlich auch selbstverständlich. Kleinteile wie Pumpen sollten nicht einzeln und unbefestigt mit in die Tasche geschmissen werden, da sie sonst den Rahmen beschädigen können.


Trotz der zahlreichen Sachen, die es zu beachten gilt und die schiefgehen können, versicherte uns Paul zum Abschluss, dass solche Unfälle nur sehr selten auftreten.

„Viele Leute haben die Vorstellung, dass bei jedem zweiten Flug solche Geschichten wie gebrochene Rahmen und verbogene Räder auftreten, aber das ist Quatsch. Ich habe sowas in meiner Laufbahn noch nie gehabt und ich wünsche mir, dass Radfahrer nicht wegen ihrer Angst auf das Reisen mit dem Flugzeug verzichten.


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