Mit dem Bike ins Büro - Der Guide für Pendler

Juni 06, 2015
Mit dem Bike ins Büro - Der Guide für Pendler

Man muss kein Öko-Freak sein und den ganzen Tag in Birkenstocks rumlaufen, um zu zeigen, dass einem unsere Natur am Herzen liegt. Wer seinen frühmorgendlichen Schweinehund überwindet und sich schlaftrunken mit dem Rad in Richtung Arbeit bewegt, macht bereits alles richtig. Egal ob auf dem BMX, Klapprad oder High-Tech-Mountainbike - einfach mal die Karre stehen lassen und stattdessen den guten alten Drahtesel bemühen spart Geld, Nerven und häufig auch Zeit. Ganz abgesehen von den vielen weiteren Vorteilen, die das Pendeln mit dem Fahrrad so mit sich bringen und die jeder Hardcore-Commuter bereits auswendig aufsagen kann: Schont die Umwelt, gut für die Gesundheit, relativ wartungsarm, kaum laufende Kosten und und und. Das Mantra des Fahrrad-Pendlers ist überzeugend und findet überall in Deutschland immer mehr Anhänger. Doch ohne monetären Aufwand hat es sich auch auf zwei Rädern oftmals schnell ausgependelt. Wer fünf Tage die Woche mehrere Kilometer abspult und denkt, dass das unfreiwillig rostfarbene Rad von der Oma trotz seltsamer Geräuschentwicklung noch Jahre hält, wird bald wieder auf den Bus angewiesen sein. Auch auf kürzeren Strecken sind Qualität und Verarbeitung auf Dauer wichtig. Deswegen helfen wir dir, das passende Rad für deinen Weg zur Arbeit zu finden.

Welcher Typ Pendler bist du?

Leidenschaftliche Radfahrer ohne Hartz-4-Bescheid standen sicher schon mal alle vor dem gleichen Dilemma: Nehme ich für die Fahrt ins Büro meinen Schatz auf zwei Rädern oder kaufe ich mir zum Pendeln ein eigenes Bike? Umgekehrt stehen Fahrradneulinge häufig vor der Frage, mit welchem Rad sie zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen können und sowohl auf dem Weg zur Arbeit als auch in der Freizeit gut unterwegs sein können. Der Hauptfaktor ist wie so oft im Leben das Geld und natürlich auch der beabsichtigte Einsatzzweck. Wer gerne mit dem Cyclocross-Bike Kilometer macht und kein Problem damit hat, die schmalen Räder über Pflastersteine und Straßenbahngleise zu navigieren, hat sicher weniger Probleme mit dieser Frage als der Enduro-Fahrer, der seine 8.000 € nicht unbedingt auf asphaltierten Bürgersteigen spazieren fahren will. Und ein neues Bike für die Stadt mit solider Ausstattung kriegt man in der Regel auch schon für 500€. Fakt ist: Für das Pendeln eignen sich einige Fahrradtypen besser als andere. Welcher Begleiter am besten zu dir passt und welche Vor- und Nachteile dich erwarten, zeigen wir dir jetzt.

Der Stilvolle - Urban Bike

Für viele gehört Radfahren längst zum Lifestyle. Fahrräder werden häufig nur nach optischen Gesichtspunkten ausgesucht und dann bei möglichst hoher Blickausbeute in der Innenstadt präsentiert. Dazu gehören nicht nur auffällige Cruiser oder Retro-Velos, sondern auch die immer beliebteren Urban Bikes, eine aus dem Marketingvokabular findiger Produktmanager stammende Bezeichnung für moderne Citybikes mit dem gewissen Etwas. Da sich die Urban Bike Kategorie eigentlich kaum klar definieren lässt, finden sich neben Citybikes aller Art auch häufig Vintage-Räder und Fitnessbikes unter dieser Bezeichnung. In der Regel eignen sich jedoch alle als Commuter Bikes und zeichnen sich vor allem durch ihren individuellen Style aus. Das Design schwankt von minimalistisch-cleanen Diamantrahmen bis hin zu nostalgischen Formen und lässt häufig Platz für allerlei Zubehör, wie beispielsweise Taschen und Beleuchtungskomponenten. Häufig werden sie von einer wartungsarmen Nabenschaltung angetrieben und sind dank breiterer Reifen auch auf nassen Straßenbelägen gut beherrschbar. Auf eine Federgabel wird bei diesen Bikes häufig verzichtet.

Am besten geeignet für:

  • Pendler mit optischem Anspruch
  • Extrovertierte Biker

Vorteile

  • Meist pflegeleichte Nabenschaltung
  • Stabile und leichte Alu-Rahmen
  • Guter Mix aus Komfort und Dynamik

Nachteile

  • Eben ein reines Stadtrad


Der Sportliche - Rennrad

Da der Weg zur Arbeit häufig über asphaltierte Straßen führt, macht es erstmal Sinn, das geliebte Rennrad auch für die Kurzstrecke aus dem Keller zu holen. Doch sobald hohe Bordsteine, Risse im Belag oder gar Pflastersteine ins Spiel kommen, hört der Spaß für die meisten auf. Deswegen eignet sich ein pures Rennrad eher für längere Strecken auf gut gepflegten Radwegen, die man häufig leider nur außerorts findet. Im engen Verkehrsgetümmel sind die schmalen Reifen und der sensible Rahmen aber teilweise hilflos überfordert und treibt dir den einen oder anderen Extra-Tropfen Schweiß auf die Stirn. Außerdem ist laut Rennrad-Etikette ein komplettes Lycra-Outfit Pflicht, was für einige sowohl optisch als auch funktionell nicht in Frage kommen dürfte.

Am besten geeignet für:

  • Erfahrene Pendler mit Geschwindigkeit im Blut
  • alle Glücklichen, die ordentliche Radwege vor der Tür haben

Vorteile

  • Schnell & leicht - auf langen Strecken mit Sicherheit der Zeitbeste
  • Perfekt für die anschließende Feierabendrunde

Nachteile

  • Ist abseits der (gut ausgebauten) Straße oft eine Qual
  • Sitzposition ist nichts für Leute mit Rücken


Der Rowdy - Crossbike

Wer auf dem Land wohnt und auf seinem Weg zur Arbeit den ein oder anderen Feldweg mit tiefen Traktorrillen vorfindet, sollte sich mal im Bereich der Crossbikes umschauen. Die sportlichen Alleskönner sind sowohl auf der Straße als auch im leichten Gelände ein Garant für die sichere Ankunft am Arbeitsplatz und scheuen auch nicht die spontane Abkürzung durch den Wald. Die Mischung aus Mountainbike und Rennrad sieht zudem auch verdammt cool aus und kann dich bei ahnungslosen Kollegen als wahren Bike-Profi mit losem Geldbeutel aussehen lassen. Der Bunnyhop von der Bordsteinkante muss dann aber sitzen! Solide Crossbikes bekommst du häufig schon für unter 500 € und verfügen über ganz ansehnliche Komponenten. Weiterhin bieten die Bikes auch im Pendleralltag ausreichend Komfort und verfügen in der Regel über Bohrungen für zusätzliche Ausstattung wie Gepäckträger und Schutzbleche. Ein Rund-um-Sorglos Paket also für all diejenigen, die kein Vermögen für ein vielseitiges Zweitrad ausgeben wollen oder mit ihrem neu erworbenen Rad nicht nur die Stadt erkunden möchten.

Am besten geeignet für:

  • Biker mit Vielseitigkeitsanspruch
  • Rennradler oder Mountainbiker, die auch mal in die Welt des anderen schnuppern möchten.

Vorteile

  • Beste Lösung für gemischtes Terrain
  • Kann auch als Einstieg in die Offroad-Welt dienen
  • Widerstandsfähiger Rahmen und einfaches Handling

Nachteile

  • Typisches Allrounderphänomen - kann alles, dafür aber nichts außerordentlich gut


Der Exot - Fixie- oder Singlespeed Bike

Wer auch in der Radfahrer-Community mit seinem Commuter Bike Eindruck schinden möchte, trifft mit einem Fixie eine gute Wahl. Nichts schreit mehr nach Fahrradelite und Purismus als die Bikes ohne Freilauf und Gangschaltung, die sicher schon den einen oder anderen unvorsichtigen Radler im hohen Bogen über den Lenker geschickt haben. Das Singlespeed ist etwas gnädiger und gewährt dem arglosen Pendler den Freilauf, Gänge gibt’s aber auch nicht. Wenn man sich aber erstmal an das ganglose Fahren gewöhnt, erwartet einen der pure Radfahrspaß. Volle Kontrolle, gutes Fahrgefühl, geringes Gewicht und vor allem praktisch nix, was an dem Teil kaputt gehen kann, machen die Strecke ins Büro zum kleinen Prä-Schreibtisch-Abenteuer. Natürlich darf dein Weg zur Arbeit keine halbe Alpenüberquerung sein, da du sonst früher oder später deinen eigenwilligen Commuter schieben musst.

Am besten geeignet für:

  • Erfahrene Radfahrer mit dem Drang nach dem Besonderen
  • Flachland-Radler die eher Genießen als Pendeln

Vorteile

  • Geringes Gewicht, einzigartiges Handling
  • Wartungsarm
  • Jede Fahrt ist ein kleines Mini-Workout

Nachteile

  • Auch kleinere Anstiege werden zu einer schweißtreibenden Angelegenheit
  • Jede Fahrt ist ein kleines Mini-Workout


Der Praktiker - Klapprad

Ok, eins gleich vorweg: In der langen und traditionsreichen Geschichte des Radfahrens gab es wahrscheinlich noch niemanden, der auf einem Klapprad cool ausgesehen hat. Wer sich also nicht wie ein Zirkusclown auf einem Minibike fühlen möchte, sollte sich nach einem anderen Commuter umschauen. Wem das aber piepegal ist und wer ein Herz für innere Werte hat, wird mit einem Faltrad ganz sicher glücklich. Denn der praktische Aspekt eines zusammenklappbaren Fahrrads ist nicht von der Hand zu weisen: Einfach zu verstauen (egal ob im Zug oder im Büro), geringer Preis und trotzdem ein voll-funktionsfähiges Fahrrad, häufig auch mit Transportmöglichkeiten für Gepäck - ein Traum für jeden, der Funktionalität über Design stellt.

Am besten geeignet für:

  • Radler mit dem Herz am richtigen Fleck
  • Hybrid-Pendler, die sowohl mit dem Rad als auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind.

Vorteile

  • Wahres Platzwunder
  • Trotz geringer Größe gut ausgestattet
  • Kleine Größe - (meist) kleiner Preis

Nachteile

  • Gewinnt keinen Schönheitspreis
  • Gewinnt auch keinen Geschwindigkeitspreis


Der Komfortliebhaber - E-Bike

Der E-Bike-Hype der letzten Jahre ist sicherlich auch all denjenigen Fahrradpendlern zu verdanken, denen der Schweiß auf Arbeit bis zum Hals stand. Niemand sitzt gerne angeschwitzt am Schreibtisch und dünstet vor sich hin, und nicht jeder hat einfach mal so eine Dusche auf dem Gang parat. Das E-Bikes schafft Abhilfe: Dank Motorunterstützung kannst du dir deine Kraft einteilen und bei Ansteigen mit nur geringem Kraftaufwand eine beachtliche Geschwindigkeit bergauf erreichen. Die Technik ist mittlerweile äußerst ausgereift und dank leistungsstarker Akkus und effizienter Motoren erreichen die Elektrofahrräder mittlerweile eine beachtliche Reichweite, sodass du auf Arbeit keinen Stromdiebstahl in großem Stil begehen musst, um wieder heim zu kommen. Wer nochmal einen Tick schneller unterwegs sein möchte, greift zu einem zulassungspflichtigen S-Pedelec, mit dem du satte 45 km/h erreichst und damit einem Roller oder Mofa Konkurrenz machst. E-Bikes kommen in zahlreichen Ausführungen wie E-Mountainbike oder E-Citybike, und sind mittlerweile bei nahezu jedem Hersteller im Angebot.

Am besten geeignet für:

  • Schnell schwitzende, gut angezogene Businessleute, die sich keine Deo-Schwäche erlauben können
  • Langstrecken-Pendler

Vorteile

  • Höhere Reichweite dank Motor
  • Weniger körperliche Ertüchtigung nötig
  • Trotz Technik einfach zu fahren und schnell startbereit

Nachteile

  • Teuer
  • Sehr schwer

Tipps für den Pendleralltag

Wo jetzt jeder seinen Traumpartner für den Weg zur Arbeit gefunden hat, hier noch ein paar grundlegende Tipps zu Commuter Bikes und Pendeln im Allgemeinen.

  • Informiere dich über Aktionen und Initiativen wie z.B. Mit dem Rad zur Arbeit. Wenn dein Arbeitgeber an solchen Programmen teilnimmt oder auf deine Anfrage hin teilnehmen möchte, sind Preise oder Vergünstigen möglich.

  • Kümmere dich gut um dein Gepäck. Leichtere Sachen sind auf dem Rücken sehr gut aufgehoben, aber sobald du ordentlich Gewicht transportieren musst, sind Transporttaschen die beste Wahl.

  • Mach dich nicht dreckig. Auch wenn du auf dem Weg zur Arbeit keinen Abstecher auf die Dirt-Strecke machst - Schmutz findet einen Weg auf deine schöne Arbeitskleidung. Vor allem bei nassen Bedingungen hast du schnell Flecken an deinem schönen Nadelstreifenanzug. Deswegen: Schutzbleche.

  • Aufrechte Sitzposition. Stelle deinen Sattel und Lenker so ein, dass du eine aufrechte, erhöhte Sitzposition hast, mit der du den Verkehr gut im Blick hast.

  • Schlauchlose Reifen (Tubeless Ready). Denn niemand braucht einen Platten, wenn das wichtige Meeting mit Beförderungspotential ansteht.