Spring Classics 2015 

April 09, 2015
Spring Classics 2015

Wer glaubt, dass die Radsportsaison erst so richtig mit der Giro d‘ Italia oder gar der Tour de France losgeht, der irrt. Mit dem Beginn des Frühlings finden jährlich die vielleicht spannendsten und anstrengendsten Eintagesrennen der Saison statt, die sogenannten Spring Classics (Frühjahrsklassiker). Rennen wie die Flandernrundfahrt und Lüttich - Bastogne - Lüttich sind absolute Klassiker und gehören zu den „Monumenten des Radsports“, da sie bereits vor dem Ersten Weltkrieg zum ersten Mal ausgetragen wurden. Am Wochenende steht mit Paris - Roubaix eines der kultigsten Rennen der Saison an, was wir zum Anlass genommen haben, uns die bedeutendsten Strecken der Spring Classics etwas genauer anzuschauen und die aktuellen Ergebnisse schon mal zusammenzutragen.

Was noch ansteht

Amstel Gold Race (19. April)

Aktueller Champion: Philippe Gilbert (BEL)

Meiste Siege: Jan Raas (NED), 5

Geschichte: Das im Vergleich noch recht junge Rennen (erstmals 1966) ist nach der holländischen Biermarke Amstel benannt und findet jährlich in der Nähe von Maastricht statt. Die Strecke wurde über die Jahre teilweise deutlich verändert, und wandelte sich von einem Paradies für Sprinter in ein mit Anstiegen gespickten Kurs, der seit 2003 nach einem extrem steilen Anstieg hinterm Cauberg in Valkenburg endet. Deutsche Sieger waren schon Olaf Ludwig, Erik Zabel und Stefan Schuhmacher.

Zur Strecke: Was bei Paris - Roubaix die Pavés sind, sind beim Amstel Gold die Heuvel (deutsch: Hügel). Auf aktuell 32 kurzen aber dafür steilen Anstiegen müssen sich die Fahrer beweisen. Insgesamt sind 2318 Höhenmeter zu überwinden. Die Strecke ist zwar Pflasterstein-frei, die Straßen sind aber aufgrund geparkter Autos und Verkehrsinseln nicht zu unterschätzen. Der alles entscheidende Anstieg ist der Weg hoch zum Cauberg.

La Flèche Wallone / Wallonischer Pfeil (22. April)

Aktueller Champion: Alejandro Valverde (ESP)

Meiste Siege: Marcel Kint und Eddy Merckx (BEL), Moreno Argentin und Davide Rebellin (ITA), jeweils 3

Geschichte: Das seit 1936 stattfindende Rennen im wallonischen Teil Belgiens fand in seinen ersten Jahren noch zwischen Tournai und Lüttich statt und war knapp 300 km lang. Seit Mitte der 90er Jahre ist das Rennen aber nicht mehr länger als 200 km und erfolgt jetzt zwischen Chaleroi und Huy. Während in den Anfangsjahren praktisch nur Belgier unter den Siegern waren, hat sich die Siegerliste seit den 80er Jahren deutlich internationalisiert. Als einziger Deutscher konnte Rolf Götz das Rennen 1988 für sich entscheiden.

Zur Strecke: Das Besondere an der La Flèche Wallone ist ganz klar der Zielabschnitt in Huy, auf dem die Fahrer einen kleinen Rundkurs mit drei Runden absolvieren müssen. Auf diesem Rundkurs begegnet ihnen die Mur de Huy, die einen eine der bekanntesten und schwerstem Anstiege im Radsport darstellt. Die „Mauer“ ist mit einer Steigung von durchschnittlich knapp 10 % (maximal stolze 26 %) ganz klar das Zünglein an der Waage auf den letzten Metern und muss dreimal bezwungen werden.

Lüttich - Bastogne - Lüttich (26. April)

Aktueller Champion: Simon Gerrans (AUS)

Meiste Siege: Eddy Merckx (BEL), 5

Geschichte: „La Doyenne“ ist das älteste Monument des Radsports und wird, wie die La Flèche Wallone, in den wallonischen Ardennen ausgetragen, weswegen beide zusammen auch als „Weekend Ardennais“ bezeichnet werden. Das erste Rennen fand bereits 1892 statt. Heute gehört die Rundfahrt zu der UCI World Tour und ist als Abschluss der Spring Classics definitiv eines der wichtigsten Radrennen des Jahres. Deutsche Sieger waren in Vergangenheit nur Dietrich Thurau 1979 und Hermann Buse 1930.

Zur Strecke: Der Kurs zeichnet sich durch zahlreiche steile, kurze aber auch lange Anstiege aus. Vor allem der zweite Teil des etwa 250 Kilometer langen Rennens führt über mehrere kurze Anstiege, die es wirklich in sich haben und Rennen leicht entscheiden können, vor allem die berühmte Côte de la Redoute. Charakteristisch ist auch das Finale: Eine Vielzahl an Steigungen reihen sich auf dem letzten Abschnitt aneinander und räumen auch klassischen Bergspezialisten Chancen auf den Sieg ein. Wer hier aggressiv am Drücker ist, hat die besten Karten. Das Ziel befindet sich schließlich an einer letzten Steigung in Ans nahe Lüttich.

Bereits gefahren

Paris - Roubaix (12. April)

Sieger 2015: John Degenkolb (GER)

Meiste Siege: Roger De Vlaeminck (BEL) und Tom Boonen (BEL), jeweils 4

Geschichte: Paris - Roubaix wurde bereits 1896 erstmals ausgetragen und findet seitdem jährlich in Nordfrankreich nahe der Hauptstadt statt. Das Rennen gilt als „Königin der Klassiker“ und gehört seit 2011 zu der UCI WorldTour. Während das Rennen bis 1977 noch direkt in Paris gestartet wurde, ist der Start nun rund 80 km nördlich am Schloss in Compiegne. Der bishier einzige deutsche Sieger von Paris - Roubaix ist Josef Fischer, der das Rennen gleich bei seiner Erstaustragung 1896 gewinnen konnte.

Zur Strecke: Charakteristisch für Paris - Roubaix sind die Pavés - extrem grobe, unwegsame Pflasterpassagen, die sich auf insgesamt ca. 52 km erstrecken. Ganze 27 Abschnitte führen über die vor allem bei schlechtem Wetter extrem gefährlichen und anspruchsvollen Pflastersteine, die teilweise noch aus dem 19. Jahrhundert stammen und extra für das Rennen erhalten werden. Ansonsten ist die Strecke verglichen mit den anderen Frühjahrsklassikern relativ flach und eben. Ein entscheidender Faktor des Rennens sind die Anfänge der Pflasterpassagen, besonders die rennentscheidenden Abschnitte Wald von Arenberg und Carrefour de l‘Abre, die meist mit hohem Speed angefahren werden und häufig zu Stürzen führen.

Flandernrundfahrt / Tour of Flanders (5. April)

Sieger 2015: Alexander Kristoff (NOR)
Meiste Siege: Fiorenzo Magni (ITA), Fabian Cancellara (CHE) Achiel Buysse, Johan Museeuw, Eric Leman und Tom Boonen (alle BEL), jeweils 3

Gent-Wevelgem (29. März)

Sieger 2015: Luca Paolini (ITA)
Meiste Siege: Mario Cipollini (ITA), Eddy Merckx, Rik Van Looy, Robert Van Eenaeme und Tom Boonen (alle BEL), jeweils 3

E3 Harelbelke (27. März)

Sieger 2015: Geraint Thomas (GBR)
Meiste Siege: Tom Boonen (BEL), 5

Mailand-San Remo (22. März)

Sieger 2015: John Degenkolb (GER)
Meiste Siege: Eddy Merckx (BEL), 7