Des Gorillas zweiter Streich

Juli 09, 2015

Etappe 5 // Arras - Amiens Metropole // Mittwoch, 8. Juli

Streckenlänge: 189,5 km
Höhenmeter: 1819 m
1 Sprintwertung

Ergebnisse

  1. Andre Greipel (Lotto Soudal)
  2. Peter Sagan (Tinkoff-Saxo)
  3. Mark Cavendish (Etixx - Quick-Step)

Gesamtwertung: Tony Martin (Etixx - Quick-Step)
Bergwertung: Joaquim Rodriguez (Team Katusha)
Sprintwertung: Andre Greipel (Lotto Soudal)
Nachwuchswertung: Peter Sagan (Tinkoff-Saxo)
Teamwertung: BMC Racing

Rennverlauf

Vier Tage pures Racing fordern langsam ihren Tribut. Das Peloton kämpft sich sichtlich erschöpft über die Strecke, nur diesmal ohne das große Drama der vorigen Etappen. Es war für viele Fahrer ein emotional aufgeladener Tag, da die Strecke durch die französische Gemeinde Villers-Bretonneux verlief, wo tausende australische Soldaten im ersten Weltkrieg gefallen waren. Der Tour de France Direktor Christian Prudhomme war stolz, den Mut und Kampfgeist der Soldaten im Jahr des 100. Jahrestags des ANZAC-Days durch das Rennen zu honorieren.

Das Rennen begann mit einem außergewöhnlich frühen Ausreißversuch von Nicolas Edet (Cofidis Solutions Credits) und Pierre-Luc Perichon (Bretagne-Seche Environment), doch Edet sah schnell ein, dass dieser Versuch keine große Chance hat und gliederte sich wieder ins Hauptfeld ein. Perichon hingegen blieb stur und fuhr vor dem Hauptfeld hinweg so lang es ihm eben möglich war. Der Regen und die nassen Straßen forderten dann auch gleich ihr erstes Opfer: Der junge französische Sprinter Nacer Bouhanni stürzte und musste das Rennen aufgeben.

Die Voraussetzungen für das Peloton waren hingegen perfekt. Perichon’s Solo-Ritt vorneweg war keine große Gefahr für das Hauptfeld, und das ließen sie ihn auch spüren. Der Franzose konnte nie mehr als 2 Minuten Vorsprung herausfahren und das Peloton bestimmte die Pace nach Belieben.

So ging es bis zur ersten Sprintwertung. Perichon’s Vorsprung reichte um sich die höchste Punktzahl zu sichern, doch hinter ihm ging es hoch her. Spitzensprinter wie Greipel, Cavendish, Sagan und Degenkolb fighteten um die restlichen Punkte. Gorilla-Greipel ließ den anderen aber keine Chance und holte sich den 2. Platz bei der Wertung, sodass er seinen Vorsprung in der Sprintwertung weiter ausbauen konnte.

Nach dem kurzen Sprinter-Intermezzo blieb das Feld dich zusammen, 90 Kilometer vor dem Ziel. Nach 10 Kilometern ging es dann aber los. Das BMC Racing Team ging aggressiv in eine spitze Kurve, trotzte dem Gegenwind und drückte anschließend aufs Tempo, um das Feld auseinanderzureißen. Auch wenn dieser Versuch nicht zu 100% gelang, erhöhte sich das Renntempo deutlich und Team Sky war als nächstes an der Reihe, das Zepter bei den starken Seitenwinden in die Hand zu nehmen. Das Feld teilte sich langsam, und große Namen wie Rafa Majka, Ivan Basso, Pierre Roland und Richie Porte konnten nicht mehr mithalten.

Die anschließenden 50 Kilometer waren dann wieder eher Schattenboxen als Racing. Die großen Teams fuhren vorne weg und behielten ohne große Probleme die Kontrolle. Das machte die Fahrer leicht nervös, da sich das Feld unaufhaltsam der Ziellinie näherte. 25 Kilometer vor dem Ziel kam es dann am Ende des Pelotons nochmal zu einem Unfall, nach dem sich Pinot vom FDJ-Team wieder herankämpfen musste.

Als es nur noch 15 Kilometer waren, legten die Teams dann wieder einen Zahn zu. Die Führenden in der Gesamtwertung wurden von ihrer Mannschaft gut in Position gehalten und die Geschwindigkeit erhöhte sich. Rogers von Tinkoff-Saxo wurde von seinem Team nach vorne geschickt, um Contador zu schützen und Sagan in eine hervorragende Ausgangslage für den Schlussspurt zu bringen. Dahinter folgte das Team BMC, dass 9 Kilometer vor dem Ziel dann die Führung übernahm. Das Feld fuhr gerade in dieser Phase in einen starken Gegenwind, sodass es schwer war für die Teams, das Rennen zu kontrollieren.

Noch 3 Kilometer: Etixx - QuickStep zog das Tempo an und sprintete vorneweg, das afrikanische MTN-Qhebeka Team konnte nicht folgen. Dann kam Giant-Alpecin, quasi aus dem Nichts, nach vorne und absolvierte auch ein paar Führungskilometer. Doch viele der vorderen Teams unterschätzten den Anstieg gepaart mit dem Gegenwind und mussten schnell wieder abreißen lassen. Giant-Alpecin erging es nicht anders, und Renshaw versuchte dann, seinen Kollegen Cavendish in Position zu bringen.

Alexander Kristoff vom Team Katusha hing sich an Renshaws Hinterrad und startete seinen Zielsprint. Cavendish ging mit, konnte aber keine Schippe mehr drauflegen. Die beiden waren Kopf an Kopf, nur noch 100 Meter bis zum Ziel. Dann kam er, der Gorilla. Das grüne Trikot schoss auf die Zielgerade und ließ die beiden Führenden fast stehen. Andre zeigte sich wieder in außergewöhnlicher Form und nutzte seine überlegenen Kraftreserven für ein großes Finish. Greipel fuhr als erster über die Linie, dahinter kam Sagan, der Kristoff und Cavendish auf den letzten Metern auch noch kassierte. Cav wurde Dritter.

Orica-GreenEDGE konnte auch einen Erfolg verbuchen. Der immer noch angeschlagene Michael Matthews holte sich den Most Aggressive Rider Award für seine starke Leistung das ganze Rennen hindurch.

Danke an Graham Watson für das Siegerfoto.

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