SRAM RED eTap - Kabelloses Schalten

September 03, 2015

SRAM zieht nach. Nachdem Shimano seine Dura Ace Di2 schon seit geraumer Zeit auf den Markt gebracht hat, haben die Kollegen von SRAM auf der Eurobike 2015 ihren Gegenentwurf einer komplett elektronischen Schaltung präsentiert. SRAM RED eTap heißt das gute Stück und soll fehlerloses und zuverlässiges Schalten unter jeglichen Bedingungen garantieren. Wir haben uns die Neuvorstellung mal genauer angeschaut und uns die Funktionsweise demonstrieren lassen.

Sie waren mächtig stolz auf ihr neuestes Werk, die Jungs von SRAM. Der Produktmanager von SRAM hatte kaum den magischen Koffer mit der neuen eTap aufgemacht, da drückte er uns einen Schaltbremshebel in die Hand und schickten uns einige Meter weit weg. Er hielt das Schaltwerk hoch und rief: „Schaltet mal. Könnt ihr das sehen? Cool, oder?“. Das Schaltwerk sprang beim Druck auf den Schaltknopf sofort in den nächsten Gang, absolut präzise und pfeilschnell. Cool war das auf jeden Fall. Und die Technik dahinter beeindruckt genauso.

sram red etap interview

SRAM hat sich bemüht, die Bedienung von eTap so einfach und direkt wie möglich zu gestalten. Man braucht kein spezielles Werkzeug für die Montage und Einrichtung, in gut 15 Minuten sollte alles erledigt sein. Trotzdem kann man die drahtlose Schaltung ganz individuell an seine Bedürfnisse anpassen. Bis zu vier Schaltelemente, sogenannte Blips, kann der Fahrer an jeder Stelle des Lenkers anbringen, um von seiner bevorzugten Griffposition aus zu schalten. Die Blips werden einfach unter dem Lenkerband angebracht und benötigen keine zusätzliche Hardware. Die Schaltsignale werden über ein proprietäres SRAM Wireless-Protokoll mit den Namen AIREA übertragen. Bei der Konfiguration des Systems wird jede Komponente des Systems ein einmaliger Verschlüsselungs-Code zugeordnet, sodass Übertragungsstörungen ausgeschlossen werden.

sram red etap schaltbremshebel

Das Schalten an sich ist natürlich besonders simpel. Der rechte Hebel schaltet hoch, der linke runter, und mit beiden zusammen steuert man das Kettenblatt an. So soll es praktisch unmöglich sein, sich zu verschalten und beim Rennen wertvolle Sekunden zu verlieren. Die Schaltbremshebel sind dabei mit den gewohnten Technologien ErgoFit und ReachAdjust sowie den komfortablen ErgoBlade Hebeln aus Karbon ausgestattet.

sram red etap schaltwerk

Wer denkt, dass all diese Feinheiten auf Kosten des Gesamtgewichts gehen, darf beruhigt sein. Das SRAM RED eTap Schaltwerk wiegt nur 215, der Umwerfer gerade einmal 163 Gramm. Der mit der YAW-Technologie versehene Umwerfer des eTap-Systems reguliert sich durch den Schalthebel selbstständig über den gesamten Schaltbereich, indem der Käfig synchron zur Kette schwingt.

sram red etap umwerfer

Das dass auch wirklich alles so funktioniert, wie sich SRAM das ausgedacht hat, kann nicht nur das AG2R La Mondiale Profiteam bedenkenlos bestätigen. Insgesamt haben Testfahrer mehr als 500.000 Kilometer mit der eTap zurückgelegt, unabhängig von Wind und Wetter. Die eTap ist IP67 und IP69K konform und macht sich keinen Kopf über strömenden Regen oder stickige Staublandschaften.

Auch bei der Betriebsdauer ist die elektrische SRAM-Schaltung nicht zimperlich. Mit einer Batterieladung sollen mehr als 1.000 Kilometer drin sein, die Gesamtbetriebsstunden wurden auf 20.000 beziffert. Da die Schaltung kabellos funktioniert gibt es keinen zentralen Akku - jedes Teil hat seine eigene Batterie, die aber beliebig austauschbar ist. Auch clever: Die Wireless-Komponenten mit integrierten Sensoren schalten sich bei Fahrtbeginn automatisch ein und wechseln auch selbstständig wieder zurück in einen Sleep-Modus, wenn die Fahrt beendet ist. Die Ladezeit der Batterien wird mit 45 Minuten angegeben.

sram red etap kettenblatt

Die SRAM RED eTap steht seinem mechanischen Bruder wirklich in nichts nach. Ein geringes Gesamtgewicht gepaart mit optimal aufeinander abgestimmten Komponenten machen präzises Schalten so einfach wie nie zuvor. Wir durften lange auf SRAMs Antwort auf die Di2 warten, doch es hat sich gelohnt.

Mit einem Komplettpreis von 2691 Euro (der von empfohlene Verkaufspreis inklusive Ladegerät und USB-Stick für künftige Updates) liegt die RED eTap preislich in etwa auf dem Niveau von Shimanos Dura-Ace Di2. Besitzer der aktuellen 2x11-Gruppen können aber auch für rund 1500 Euro nachrüsten.