Paris-Roubaix 2016 - Eine Vorschau auf die Hölle des Nordens

April 06, 2016
Paris-Roubaix 2016 - Eine Vorschau auf die Hölle des Nordens

Ein Rennen wie kein anderes, ein Mythos, der legendäre Klassiker: Paris – Roubaix. Kein anderes Datum im Radsport-Kalender verspricht so viel Drama, Action und Spannung wie die „Hölle des Nordens“, die am 10.4. zum 114 Mal stattfindet und die Fahrer ein weiteres Jahr über Pflastersteine jagt.

Seinen Ursprung hat die „Königin der Klassiker“ im Jahr 1896, und liefert seitdem Jahr für Jahr neue Geschichten und Bilder für die Ewigkeit ab. Spektakuläre Stürze, geplatzte Träume und Skandale sind an der Tagesordnung. Neben dem Mythos ist auch die Strecke einzigartig: Während Klassiker wie Milan – San Remo oder die Tour de Flanders sich von der Vorbereitung her kaum unterscheiden, ist Roubaix wirklich einzigartig.

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Streckenverlauf

Die 2016er Ausgabe von Paris-Roubaix folgt im Großen und Ganzen dem gleichen Kurs wie in den letzten Jahren, nur mit ein paar kleinen Änderungen, welche den Streckenverlauf auf insgesamt 257,5 Kilometer bringt, davon 52,8 km gepflastert. Eine der signifikantesten Änderungen ist die Ergänzung der Strecke um den Abschnitt Hameau du Buat, der zuletzt 2012 Teil von Roubaix war. Hier geht es bei einer Steigung von 8% über die Pflastersteine, doch aufgrund der frühen Position im Rennverlauf darf man hier keine rennentscheidenden Attacken erwarten.

Dann schon eher beim Trouee d’Arenberg, 100 Kilometer vor dem Ziel, der gewöhnlich den Schlussakkord einleitet. Hier vorne mit dabei zu sein bedeutet alles – wer mithält und einen Sturz verhindern kann, darf sich Chancen auf den Sieg ausrechnen. Der berüchtigte Mons-en-Pevele Sektor und Carrefour de l’Abre, letzter 5-Sterne-Pflasterstein-Abschnitt der Strecke, sind beide wieder mit von der Partie und werden zusammen mit den finalen 500 Metern im Roubaix Velodrom das Rennen entscheiden.



Favoriten & Überraschungskandidaten

Das einzigartige Streckenprofil von Roubaix hat in der Vergangenheit entsprechend einzigartige Siegertypen hervorgebracht. Durch die ungewöhnliche Härte und Beanspruchung der Fahrer haben Domestiken hier besonders gute Chancen, mal abseits ihrer sonstigen Unterstützungsarbeit vorne mitzumischen. Bestes Beispiel ist Johan Vansummeren, der mit seinen guten Ergebnissen in den letzten Jahren, gekrönt durch seinen Sieg 2011, eindrucksvoll unter Beweis stellte, wie sehr seine Qualitäten als hart arbeitender Peloton-Fahrer bei Paris-Roubaix von Vorteil sein können.

Trotz dessen ist die Liste der Gewinner der letzten Jahre gespickt mit Veteranen des Radsports, die sich durch ihre gezielte Vorbereitung auf das Rennen und ihre langjährige Erfahrung den entscheidenden Vorsprung herausfahren können. Ein wenig Glück gehört aber immer dazu, wenn man Paris-Roubaix gewinnen möchte – platte Reifen und Stürze sind fester Bestandteil des Rennens, die es zu vermeiden gilt.

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In diesem Jahr läuft alles auf einen spannenden Schlagabtausch zwischen Fabian Cancellara und Peter Sagan hinaus. Beide haben in den Frühjahrs-Klassikern bisher gute Ergebnisse erzielt, und erst letztes Wochenende kamen die beiden wieder hintereinander ins Ziel, mit Sagan in der Front. Beide können bei Roubaix zeigen, wie dominierend ihre aktuelle Form wirklich ist und ob sie ihre starke Saisonform mit einem Erfolg bei Paris-Roubaix bestätigen können. Doch das starke Teilnehmerfeld bringt genug Individualisten hervor, die den beiden gerne einen Strich durch die Rechnung machen möchten. Arnaud Démare ist beispielsweise heiß aufs Double nach seinem Sieg bei Milan - San Remo, trotz seines heftigen Sturzes bei der Tour de Flanders, und führt das Team FDJ an.

Zu den Kandidaten, die für eine Überraschung sorgen könnten gehören neben Alexander Kristoff und Lars Boom vor allem der viermalige Roubaix-Sieger Tom Boonen, der sich wohl gerade auf dem Höhepunkt seiner Karriere befindet. In den letzten Rennen konnte er allerdings nicht wirklich überzeugen. Konkurrenz hat Boonen auch in seinem eigenen Team, mit dem Deutschen Tony Martin und dem Tschechen Zdenek Stybar. Wen man trotz bescheidener Ergebnisse in der letzten Zeit nicht abschreiben sollte, ist definitiv der Gorilla Andre Greipel, dessen körperliche Voraussetzungen eigentlich wie gemacht sind für die Brutalität der Pflastersteine von Roubaix. Weitere Fahrer, die sich eine Chance ausrechnen könne, sind unter anderem Edvald Boasson-Hagen, Mark Cavendish und Luke Rowe. Vorjahressieger und Klassiker-Spezialist John Degenkolb muss aufgrund einer Verletzung leider pausieren.

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Der X-Faktor: Das Wetter

Das Wetter spielte bei Paris-Roubaix schon öfter eine entscheidende Rolle. Bei Nässe wird das Rennen teilweise zu einer Schlammschlacht gepaart mit spiegelglatten Kopfsteinpflaster, bei dem die Fahrer danach so aussehen, als seien sie gerade aus dem Schützengraben gestiegen. Auf der anderen Seite, bei extrem trockenen Bedingungen, wird es unangenehm staubig und die Fahrer haben nicht nur mit schlechter Sicht sondern auch verschmutzter Luft zu kämpfen.

Nach dem relativ schlechten Wetter der letzten Tage sind einige Abschnitte der Rennstrecke in Mitleidenschaft gezogen worden. Den gepflasterte Abschnitt Troisville hat es besonders erwischt und präsentiert sich aktuell als schwammige Rutschpartie. Das Problem dabei ist aber nicht die Stelle an sich, sondern der schnelle Wechsel von trockenen auf nassen Passagen, der eine Gefahr für die Fahrer darstellt. Aktuell wird darüber beratschlagt, ob Troisville nicht aus dem Rennverlauf gestrichen wird – die finale Entscheidung wird aber erst Samstag vor dem Rennen getroffen.

Rückblick auf 2015 – Die besten Bilder

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Bilder von CyclingTips.com und Kristof Ramon