Basso vs. Wilier - Italienische Rennradkunst in Reinkultur

Mai 20, 2015
Basso vs. Wilier - Italienische Rennradkunst in Reinkultur

Die Giro ist im vollen Gange, und die ganze Radsportwelt schaut auf das beschauliche Land am Mittelmeer und seine tief verwurzelte Fahrradkultur. Anlässlich unserer Go Italian Aktion haben unsere australischen Kollegen und Rennradfanatiker Adam Kavanagh und Brooke Tully zwei aktuelle Top-Bikes von den Traditionsherstellern Basso und Wilier unter die Lupe zu nehmen und mit ihnen eine ausgedehnte Ausfahrt zu starten. Beide waren begeistert von den hochklassigen Rennrädern, aus unterschiedlichen Gründen.

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Basso Astra 2015

Adam durfte sich mit dem Basso Astra 2015 vergnügen, und war quasi hin und weg. Die großartige Ausstattung mit Campagnolo Super Record und ENVE-Laufrädern gepaart mit dem ultraleichten Rahmen sind auf dem Papier die Highlights des Carbon-Rennrads, dass dann auf dem Asphalt sogar eine noch bessere Figur machte als erwartet. Adam wollte das Teil so wie es war einfach nur mit nach Hause nehmen.

Carbon in Perfektion

In dem bergigen Terrain zwischen Bright und Mt. Beauty im Süden Australiens zeigte sich das Astra richtig sanftmütig, beinahe schon fragil. Der Rahmen ist zu 100% aus 3K Torayca High Modulus Carbon Fiber, dass genauso technisch fortgeschritten und High-Tech ist wie es klingt. Die einzelnen Ebenen der Kohlenstofffasern sorgen für ein geringes Gesamtgewicht bei einer dennoch hohen Steifigkeit, die man aber beim Fahren leicht vergisst. Adam hatte mit seinen 78 Kilogramm stets Angst, dass Bike bei einem ordentlichen Antritt in zwei Hälften zu zerlegen. Erst als er das Tempo am Fuße des Mt. Buffalo anzog, wurde er eines Besseren belehrt - das Basso Astra ist steif wie ein Brett und überträgt jedes Watt an Leistung in die Pedale.

Performance auf jeder Strecke

Auch wenn Adam das Rennrad hauptsächlich in den Bergen testete, ist er sich sicher, dass sich das Astra auch im Sprint gut anstellen würde. Die gute Kraftübertragung und das Ansprechverhalten des leichten Rahmens würden bei einem hektischen Zielsprint das Bike im Nullkommanix zur Höchstleistung auflaufen lassen. Vor allem außerhalb des Sattels machten sich die guten Steifigkeitswerte des Astra bemerkbar. Das Tretlagergehäuse aus einem Guss lässt den Fahrer spielerisch leicht mehr Power generieren und reagiert vorzüglich auf die Köperhaltung, sodass man bei steileren Anstiegen seine Energie so gut wie verlustfrei auf das Rad übertragen kann.

Der Weg ins Tal war mit dem Basso Astra genauso eine Freude. Das besonders steife Steuerrohr ließ Adam mühelos und selbstbewusst durch enge Kurven gleiten, während die ENVE-Laufräder und Schwalbe One-Reifen für die nötige Traktion sorgten. Die Schaltung mit der Super Record erfolgt wie aus einem Guss und so gut wie ohne Verzögerung - bereits wenn du an das Schalten denkst, ist der Gang schon drin. Die Möglichkeit, vier Gänge auf einmal hoch- bzw. runterzuschalten, kam Adam im hügeligen Gelände sehr entgegen und erleichterte das Rausbeschleunigen erheblich. Nur die Erreichbarkeit der Schalthebel war für den Langzeit-Shimano/SRAM-Nutzer Adam etwas gewöhnungsbedürftig. Was aber Performance und Komfort angeht, gab es für unseren Tester nichts zu meckern. Das Basso Astra ist ein gut abgestimmtes und vor allem vielseitiges Rennrad, das sich in keinem Bereich große Schwächen erlaubt.

Unser Fazit

  • Vielseitiges Rennrad für die Kurz- und Langstrecke
  • Ultraleichter und besonders steifer Rahmen
  • Hochklassige Ausstattung
  • Trotz hohem Preis sein Geld Wert

Wilier Cento1Air 2014

Brooke hat sich auf das Cento Uno Air von Wilier geschwungen und musste gleich zugeben, noch nie zuvor auf einem Rad des italienischen Herstellers gefahren zu sein. Die Vorfreude war groß, und wurde nicht enttäuscht. Das Cento1Air ist wie gemacht für Fahrer, die bis ans Limit gehen und Performance über Komfort stellen. Das Bike wurde inspiriert vom Zeitfahrrad Wilier Twin Blade und kann auf beim Zeitfahren oder Triathlon für satte Leistungen sorgen. Das macht das Wilier Rennrad aber natürlich zu einem Bike für erfahrene Fahrer - Neulinge werden mit der nach Speed lechzenden Maschine schon ihre Schwierigkeiten haben.

Individuelle Klasse

Das Wilier Bike lässt sich dazu noch komplett individuell zusammenstellen - von Schaltung über Lenker bis hin zu den Laufrädern. So lässt sich für jeden Anspruch und jedes Budget das passende Rad finden. Was wirklich jeder Käufer bekommt, ist ein absolut aerodynamischer Rahmen mit aggressiver Rahmengeometrie. Wie der Name des Cento1Air schon sagt, ist der Fokus des Rennrads auf der Aerodynamik. Neben dem Rahmen sind auch die klingenförmige Sattelstütze und die Gabel auf geringen Windwiderstand getrimmt, wodurch sich natürlich viel Energie sparen lässt.

Hingucker aus Italien

Das Tretlager ist auch beim Wilier ein entscheidender Punkt für das Fahrverhalten. Dank hoher Steifigkeitswerte und großem Umfang lässt dich das Cento Uno Air durchaus wissen, auf welchem Untergrund du dich gerade befindest, und dämpft nur wenig Stöße ab. Dafür bekommst du vor allem bei hohen Geschwindigkeiten ein unnachahmliches Fahrgefühl. Deswegen fühlt sich das Rennrad vor allem auf flachen und geraden Strecken besonders wohl. Neben der optimalen Abstimmung der Komponenten überzeugt auch das Design. Nicht allzu flashy und ausgefallen, dominieren beim Cento1Air Eleganz und sexy Formen, was ja bei einem Rennrad nicht zu verachten ist. Brooke hat’s auf jeden Fall gefallen.

Unser Fazit

  • Hochwertiger Rahmen mit aggressiver Rahmengeometrie
  • Feine Komponenten-Abstimmung und tolles Design
  • Individuelle Komponentenauswahl
  • Vernünftiger Preis